Klimabilanz von E-Fahrzeugen & Life Cycle Engineering

Klimabilanz von E-Fahrzeugen & Life Cycle Engineering

Beim Vergleich der Umweltwirkungen schneidet der e-Golf um rund 20 Prozent besser ab als der Golf Diesel – laut einer am 24.04.2019 veröffentlichten Präsentation von VW.

Volkswagen erhebt dabei den Anspruch, eine systematische Analyse der Umweltwirkungen der verschiedenen Golf-Motorisierungen über den gesamten Lebensweg („from cradle to grave“‚  „von der Wiege bis zur Bahre“) durchgeführt zu haben.

Doch folgendes verblüfft an dieser Präsentation:

  • Die Präsentation erweckt den Eindruck, dass die im Betrieb auftretenden Emissionen sich auf Bereitstellung von Strom/Kraftstoff und ggf. auf die Verbrennung des Kraftstoffs beschränken. Demnach wären in der Betriebsphase keine Reparaturen fällig und keine Reifenwechsel. Und auch bei den Verbrennungsmotoren keine Ölwechsel.
  • Ausgerechnet die genaue Analyse der Reifen wird besonders hervorgehoben und nimmt breiten Raum ein. VW erweckt den Eindruck, den ökologischen Fussabdruck der Reifen sehr genau zu erfassen. Doch dadurch, dass Reifenverschleiss und Reifenwechsel komplett vernachlässigt werden wird der tatsächliche ökologische Fußabdruck der Bereifung nicht auf wenige Prozent genau, sondern wohl um mindestens 300% falsch abgeschätzt. Auf ausdrückliche Nachfrage erhielt ich von VW folgende Antwort: „Natürlich ist uns bewusst, dass in der Betriebsphase Wartungsarbeiten, Reparaturen und
    Öl- sowie Reifenwechsel anstehen. Diese Punkte wurden in unserer Darstellung mit Bedacht nicht berücksichtigt. Auf Basis des charakterisierten Kundenverhaltens unterscheiden sich die Werte eines jeden Fahrzeuges hierzu enorm. Daher haben wir hierzu keine belastbaren Statistiken“
  • ohne jegliche Begründung wird für die Nutzungsphase nicht der Verbrauch im realen Fahrbetrieb betrachtet. Obwohl VW bereits 2008 erkannt hat, dass der Verbrauch im realen Fahrbetrieb vom Verbrauch im Testzyklus abweicht und separat zu betrachten ist. Obwohl sich VW über die reine Betrachtung des Verbrauchs im realen Fahrbetrieb hinaus sogar 2008 das offizielle Umweltziel gesetzt hat, den Verbrauch im realen Fahrbetrieb zu reduzieren. Trotzdem setzt VW bei allen Motorisierungen an Stelle des Verbrauchs im realen Fahrbetrieb den Verbrauch im WLTP in Rechnung.
  • Der Vorsprung des e-Golf ist erstaunlich gering.

Wenn Wartung und Reparaturen in diese Rechnung aufgenommen würden, sollte das den Vorsprung des e-Golf doch eigentlich vergrößern.

Auto Motor und Sport hat im Beitrag Ab 125.000 km ist der E-Golf sauber – theoretisch die VW Studie in Beziehung gesetzt zur Studie des ifo-Instituts zum gleichen Thema.

(für Interessierte: ISO 14044 Environmental management — Life cycle assessment — Requirements and guidelines)

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